Empathie ist eine der wertvollsten Fähigkeiten im Geschäftsleben – und zugleich eine der gefährlichsten, wenn man sie falsch auslebt. In meinen 15 Jahren als Führungskraft habe ich erlebt, wie gut gemeinte Empathie Kollegen ausbrennen ließ, weil sie fremde Emotionen ungefiltert aufnahmen. Empathie bedeutet nicht, alles mitzuleiden, sondern verstehen zu können, ohne selbst unterzugehen. Genau darum geht es: empathisch zu sein, ohne fremde Gefühle zu absorbieren, die eigene Kraft zu verlieren oder unklare Entscheidungen zu treffen.
Wenn man in einem Projektmeeting sitzt und ein Mitarbeiter nach einer gescheiterten Präsentation niedergeschlagen ist, gibt es zwei mögliche Reaktionen. Die eine ist: man rutscht emotional mit hinunter. Die andere: man erkennt den Schmerz, bleibt aber mental ausgerichtet auf das Ziel. In der Praxis konnte ich sehen, wie wirksame Führungskräfte ihre eigenen Emotionen klar von denen der Mitarbeiter trennten. Sie hören zu, spiegeln Gefühle zurück (“Ich sehe, dass dich die Situation belastet”), lassen sich aber nicht anstecken.
Der entscheidende Unterschied liegt also zwischen Mitgefühl und Mitleiden. Mitgefühl heißt, sich bewusst in jemand anderen hineinzuversetzen, ohne selbst betroffen zu sein. Mitleiden führt jedoch zu emotionaler Überlastung. Und seien wir ehrlich: im harten Geschäftsbetrieb können wir es uns schlicht nicht leisten, in die Stimmung jedes Einzelnen hineinzufallen. Der professionelle Weg: bewusstes Zuhören, Klarheit zeigen und nicht den eigenen inneren Raum preisgeben.
Empathie ist kein Spiel ohne Gegengewicht. Nur wer ein starkes eigenes Fundament hat, kann wirklich empathisch sein. In meiner Arbeit während der letzten Marktkrisen habe ich immer wieder gesehen: Manager, die ihre eigene emotionale Balance kannten, konnten Teams stabil durch Turbulenzen führen. Diejenigen ohne innere Klarheit ließen sich von der Panik anderer mitreißen.
Dazu gehört: reflektierte Selbstkenntnis, körperliche Routinen wie Sport und klare persönliche Werte. Ich erinnere mich an 2018, als ein Projekt aufgrund regulatorischer Hürden immer wieder scheiterte. Wir standen unter Druck, die Mitarbeiter waren niedergeschlagen. Mir half, dass ich regelmäßig meditierte, meine Emotionen notierte und klar wusste: meine Aufgabe ist, Orientierung zu geben, nicht mitzuleiden. Dieses Fundament ist das Schutzschild gegen emotionale Übernahme.
Empathie ohne Absorption bedeutet konkrete Werkzeuge einzusetzen. Das beginnt beim bewussten Zuhören. Statt sofort Lösungen zu präsentieren, spiegeln Sie zuerst, was Sie hören: „Du bist frustriert, weil das Projekt nicht vorankommt.“ Diese Technik ist simpel, aber wirkungsvoll. In einem internationalen Projektteam habe ich erlebt, wie durch aktives Zuhören die Konfliktspirale gestoppt wurde – einfach, weil jeder sich verstanden fühlte, ohne dass die Führungskraft emotional umfiel.
Eine zweite Technik: zwischen Fakten und Gefühlen unterscheiden. Ein Mitarbeiter sagt: „Das Projekt wird nie funktionieren.“ Hier ist es wichtig, den emotionalen Anteil zu erkennen („Enttäuschung“) und gleichzeitig auf die Realität zurückzuholen („Welche Daten sprechen dafür oder dagegen?“). So bleibt man empathisch im Gespräch, ohne die negative Stimmung zu verinnerlichen.
In der Geschäftswelt gilt: wer keine Grenzen setzt, wird überrollt. Das gilt auch für Empathie. Ich habe erlebt, dass erfahrene Führungskräfte durch zu viel Offenheit zu emotionalen „Müllhalden“ ihrer Mitarbeiter wurden. Manche Mitarbeiter kamen mit jedem persönlichen Problem – und die Führungskraft war nach Wochen erschöpft.
Die Lösung: glasklare Grenzen. Ja, zuhören. Ja, empathisch sein. Aber auch sagen: „Das ist ein Thema, das du mit HR oder einem Coach besprechen solltest.“ Führung heißt eben nicht, zum Ersatzpsychologen zu werden. Grenzen setzen ist kein Mangel an Empathie, sondern ein Akt der Selbstfürsorge – und letztlich auch im Sinne des Mitarbeiters. Nur so bleibt man langfristig handlungsfähig.
Oft absorbieren wir Emotionen gar nicht durch Inhalte, sondern durch Tonfall und Körpersprache. In Verhandlungen habe ich gesehen: wenn der andere aggressiv oder panisch spricht, übernimmt man instinktiv diese Stimmung – außer man steuert bewusst dagegen.
Die Praxisregel: ruhige Stimme halten, klare Gesten nutzen, einen offenen, aber gefestigten Körperausdruck zeigen. Ich erinnere mich an ein Board-Meeting während einer Krisenphase. Einige Kollegen schwitzten, die Diskussion wurde laut. Ich entschied bewusst: im Tonfall runtergehen, langsamer sprechen, nicht in das Drama hineinsteigen. Ergebnis: die Stimmung kippte von Chaos zu Rationalität. Körpersprache ist hier ein machtvolles Werkzeug.
Empathisch zu sein, heißt nicht, alle Emotionen sofort nah an sich heranzulassen. Manchmal ist Distanz die bessere Form von Empathie. Wir unterschätzen, wie wertvoll es im Business sein kann, eine „aus der Vogelperspektive“ Haltung einzunehmen.
Ein konkretes Beispiel: Bei der Einführung eines neuen CRM-Systems 2021 waren viele Vertriebsmitarbeiter verunsichert, einige sogar wütend. Hätte ich ihre Emotionen voll übernommen, wäre ich blockiert gewesen. Stattdessen nahm ich sie ernst, aber hielt mir bewusst vor Augen: „In 6 Monaten wird das System laufen, jetzt geht es darum, den Übergang zu moderieren.“ Diese Distanz half, rational zu bleiben – und gleichzeitig nicht gefühllos zu wirken.
Die meisten denken, Empathie sei angeboren. Das ist ein Irrtum. Empathie lässt sich trainieren – und zwar so, dass sie nicht in emotionale Übernahme mündet. Ähnlich wie wir Präsentationstechniken lernen, können wir empathische Kommunikationstechniken üben.
Ich habe Teams mit Simulationen geschult: Rollenspiele, in denen es darum ging, schwierige Gespräche zu führen, ohne sich mitreißen zu lassen. Dabei zeigte sich: Wer diese Fertigkeit regelmäßig trainiert, absorbiert weniger fremde Gefühle. Das ist Training für den emotionalen Muskel. Im Kern: Empathie als Führungs-Tool, nicht als persönliche Last.
Remote-Arbeit hat das Spiel verändert. Früher konnte man in Besprechungsräumen Emotionen schnell einordnen, heute in Videocalls ist das schwieriger. Ich sehe häufig, dass Führungskräfte durch die ständige Online-Kommunikation sogar noch mehr Emotionen absorbieren, weil Mimik und Kontext fehlen.
Mein Ansatz: kurze Calls statt endloser Videomeetings, klare Gesprächsstrukturen und ein bewusstes „Check-out“-Ritual nach intensiven Gesprächen. Außerdem: Pausen zwischen Calls, um die aufgenommenen Emotionen nicht unkontrolliert zu tragen. Wer so arbeitet, bleibt empathisch – aber stabil.
Empathie ohne Absorption ist kein Widerspruch, sondern eine reife Führungskompetenz. Im Alltag heißt das: innere Stabilität, klare Grenzen, aktive Werkzeuge des Zuhörens und bewusst gehaltene Distanz. Ich habe gelernt: wer empathisch führt, ohne in fremden Gefühlen unterzugehen, schafft Vertrauen und zugleich Stabilität. Und genau das ist die Kombination, die langfristig Teams erfolgreich macht. Für weiterführende Strategien empfehle ich einen Blick auf Psychologie Heute, die regelmäßig praxisnahe Artikel zu diesem Thema bietet.
Es heißt, Emotionen anderer zu verstehen, ohne sie selbst zu übernehmen oder die eigene Stabilität zu verlieren.
Durch Selbstreflexion, klare Grenzen und gezielte Trainings, ähnlich wie bei Kommunikations- oder Verhandlungstechniken.
Weil sie zu Überlastung, schlechteren Entscheidungen und langfristig zu Burnout führen kann.
Eine entscheidende. Nur wer stabil ist, kann langfristig empathisch führen, ohne auszubrennen.
Nein, im Gegenteil. Grenzen sind notwendig, um Empathie professionell und wirkungsvoll einsetzen zu können.
Mitgefühl erlaubt Verstehen ohne Belastung, Mitleid zieht einen emotional selbst mit nach unten.
Ja, aber es erfordert bewusste Struktur, klare Sprache und bewusste Distanz bei digitalen Interaktionen.
Aktives Zuhören, Spiegeln von Emotionen und bewusstes Trennen von Gefühlen und Fakten.
Indem man auf Körpersprache, Tonfall und bewusste Selbstkontrolle achtet, statt in Dramen einzuziehen.
Ja, wenn sie unreflektiert gelebt wird. Zu viel Empathie ohne Abgrenzung führt zu Instabilität.
Definitiv. Rollenspiele, Simulationen und Feedback helfen, empathisch zu sein ohne Überlastung.
Reflektieren, loslassen, physische Ausgleichsroutinen nutzen – etwa Sport oder bewusste Pausen.
Im B2B sind Emotionen häufig subtiler, im B2C unmittelbarer – die Notwendigkeit der Abgrenzung aber gleich.
Ja, indem man versteht, wie Betroffene sich fühlen – aber Entscheidungen an Fakten, nicht an Gefühlen ausrichtet.
Gefühl anerkennen, aber Distanz wahren. Ruhe bewahren und Lösungsschritte klar kommunizieren.
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